Ardennen Treibhund

FCI-Standard Nº 171

Ursprung
Belgie
Übersetzung
Dr.J-M. Paschoud und Frau R.Binder, überprüft durch Frau Peper
Gruppe
Gruppe 1 Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)
Sektion
Sektion 2 Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)
Arbeitsprüfung
Mit Arbeitsprüfung
Endgültigen Anerkennung der Rasse durch die FCI
Montag 13 Juni 1955
Publikation des gültigen offiziellen Standards
Mittwoch 25 Oktober 2000
Letzten Aktualisierung
Mittwoch 05 Juni 2002
En français, cette race se dit
Bouvier des Ardennes
In English, this breed is said
Ardennes Cattle Dog
En español, esta raza se dice
Boyero de las Ardenas
In het Nederlands, wordt dit ras gezegd
Ardense Koehond

Verwendung

Ursprünglich ein echter Treibhund, an das Leben im Freien und an die harte Arbeit gewöhnt, Grossvieh einzusammeln, zu hüten und zu treiben. Heute noch ist er bei einem Minimum an Ausbildung für maximale Leistungsfähigkeit ein vielseitiger Gebrauchshund, der speziell zur Bewachung der Herden und des Eigentums geeignet ist.

Kurzer geschichtlicher abriss

Dieser Hund wurde seit jeher in den belgischen Ardennen "Rinderhund" genannt und auf seine Leistungsfähigkeit hin selektiert. Er verdankt seinen Namen eher seiner Verwendung als Bewacher und Treiber der Rinder als seinem Körperbau. Das raue Klima, seine schwere sehr spezielle Arbeit, das schroffe Gelände und die Armut der Gegend haben seinen Typ geprägt.
Nur die derbsten und leistungsfähigsten Exemplare einer freiwillig in engen Grenzen gehaltenen Zucht blieben am Leben und trieben die Herden, meistens Milchkühe und Schafe, aber im letzten Jahrhundert auch Schweine und Pferde. Seit dem 19.Jahrhundert auch zur Treibjagd auf Hirsche und Wildschweine verwendet, wurde er während der beiden Weltkriege zum Hund des Wilddiebes. Am Ende des 19. Jahrhunderts glich der Treibhund einem rauhhaarigen Schäferhund, war aber kräftiger, stämmiger und beißfreudiger als dieser. Um einen einheitlichen Typ festlegen zu können, wurden auf belgischen Hunde-ausstellungen zu Untersuchungszwecken Klassen für Treibhunde eingerichtet.
Am 27.April 1903, auf der Hundeausstellung in Lüttich, entdeckte Prof. Reul "Tom" , den ersten Idealtyp dieser Treibhund–Rasse ( wie damals üblich, ohne weitere Angaben).
Im Jahre 1913 wurde die "Gesellschaft zur Verbesserung der Zucht des Treibhundes aus der Provinz Lüttich und aus den Ardennen" gegründet, die einen Standardentwurf erarbeitete. Der endgültige Text wurde in Belgien im Jahre 1923 anerkannt und durch die FCI am 16.Juni 1963 publiziert.
Das Verschwinden zahlreicher Bauernhöfe in den Ardennen, verbunden mit dem Rückgang der Milchkuh-Herden, reduzierte die Anzahl der Gebrauchshunde beträchtlich.
Um 1985 führte das Sammeln der Vormilch von Milchkühen durch Hundefreunde zur Entdeckung einiger mehr oder weniger typischer Exemplare dieser Ardennen-Treibhunde, die überlebt hatten. Um 1990 gaben sich Züchter daran, Hunde hervorzubringen, die dem im Standard beschriebenen Typ näherkamen, und nutzten hierfür diese Zuchtlinien der Ardennen. Erstaunlicherweise haben im Norden des Landes einige Viehtreiber und Schafhirten, verwundert über die Leistungen dieser Hunde beim Treiben der Herden, in aller Stille, aber umsichtig und sachkundig, die Zucht mit einem um 1930 eingeführten Zuchtstamm weitergeführt. Erst im Jahr 1996 wurde die Existenz dieser Zuchtlinie in der offiziellen Kynologie bekannt.

Allgemeines erscheinungsbild

Mittelgrosser, vierschrötiger Bauernhund ohne jeder Anspruch von Eleganz. Er ist kurz und stämmig, von schwererem Knochenbau als seine Gestalt es vermuten läßt, und hat einen mächtigen Kopf. Die Eigenschaftsworte kurz, kompakt und muskulös passen am besten für die Beschreibung dieses Hundes. Sein rauhes und zerzaustes Haarkleid (ausser auf dem Schädel, wo es kürzer ist und flach anliegt) und sein Schnurr- und Kinnbart geben ihm einen mürrischen Ausdruck. Der Ardennen-Treibhund soll im natürlichen Stand ohne körperlichen Kontakt zu seinem Vorführer gerichtet werden.

Wichtige proportionen

• Die von der Bugspitze bis zum Sitzbeinhöcker gemessene Körperlänge entspricht ungefähr der Widerristhöhe.
• Die Tiefe der Brust entspricht ungefähr der Hälfte der Widerristhöhe.
• Der Kopf ist eher kurz und der Nasenrücken ist eindeutig kürzer als der Schädel, der seinerseits ein wenig länger als breit ist.

Verhalten / charakter (wesen)

Der Ardennen-Treibhund steckt voller Ausdauer und Energie, er ist verspielt, neugierig, flink und gesellig ; seine hervorragendste Eigenschaft, seine Anpassungsfähigkeit, führt dazu, daß er sich in allen Lebenslagen wohl fühlt. Er ist hartnäckig und zeigt unglaublichen Mut, wenn es um die Verteidigung seiner Menschen, seiner Besitztümer und seines Territoriums geht.

Kopf

Oberkopf

Kopf
Kräftig, aber kurz.
Schädel
Breit und flach ; die oberen Begrenzungslinien von Schädel und Nasenrücken sind parallel. Stirnfurche und Hinterhauptkamm praktisch unsichtbar. Die Augenbrauenbögen sind durch struppige Augenbrauen betont. Die Jochbögen sind weder vorstehend noch stark gewölbt. 
Stop
Ausgeprägt, aber ohne Übertreibung.

Facial region

Nasenschwamm
Breit, immer schwarz.
Fang
Breit, dick, unter den Augen gut ausgefüllt, eindeutig kürzer als der Schädel. Von abstehenden Haaren bewachsen, die den inneren Augenwinkel verschleiern. Die Seitenflächen von Fang und Backen bilden eine ununterbrochene Linie.
Lefzen
Dünn, gut anliegend, Lippenränder stets schwarz. Der Lippenwinkel darf nicht schlaff sein. 5-6 cm langes Haar auf Ober- und Unterlippe, am Unterkiefer und am Kinn bildet einen Schnurrbart und einen Kinnbart.
Kiefer / Zähne
Mächtige Kiefer, Das Gebiss muss entsprechend der Zahnformel des Hundes vollständig sein. Das Fehlen von zwei Prämolaren 1 (2 PM1) ist statthaft ; die Molaren 3 (M3) werden nicht berücksichtigt. Die Schneidezähne haben Scherenschluß und sind regelmässig in Form eines offenen Bogens eingesetzt. Das Zangengebiss ohne Kontaktverlust ist zulässig, wird aber nicht bevorzugt. Der Mund- und Rachenraum soll so stark wie möglich pigmentiert sein.
Wangen
Flach, aber gut bemuskelt.
Augen
Mittelgross, nicht zu weit voneinander eingesetzt, leicht oval, keinesfalls kugelförmig oder vorstehend, so dunkel wie möglich. Die Lidränder sind schwarz; die Augenbindehaut darf nicht sichtbar sein.
Ohren
Nicht kupiert. Hoch angesetzt, dreieckig, eher klein. Nach vorne gelegt soll die Ohrspitze nicht weiter als bis zum äusseren Augenwinkel reichen. Straff aufrecht stehende, spitze Ohren werden bevorzugt. Aufgerichtete Ohren mit nach vorne fallender Spitze oder halb aufrechte, nach aussen gefaltete Ohren sind ebenfalls zulässig.

Hals

Stark, muskulös, gut aufgesetzt, eher zylindrisch, leicht gewölbt, genügend hoch getragen, ohne Wamme.

Körper

Allgemeinheit
Mächtig, ohne Schwere, mit eher runden als flachen Rippen. Die Länge von der Bugspitze bis zum Sitzbeinhöcker entspricht ungefähr der Widerristhöhe. Flanken recht kurz.
Obere Profillinie
Horizontal, breit, kraftvoll, straff.
Widerrist
Leicht vorstehend.
Rücken
Muskulös und fest, biegsam ohne Anzeichen von Schwäche.
Lenden
Kurz, recht breit, muskulös, von einer Seite zur anderen ziemlich flach.
Kruppe
Breit, sehr leicht schräg oder vorzugsweise horizontal.
Brust
Breit, bis zu den Ellenbogen hinab reichend; die Rippen sind besonders in ihrem oberen Drittel gut gewölbt. Die Unterseite der Brust muss von einer Seite zur anderen eine gewisse Rundung aufweisen. Von vorne gesehen ist die Vorbrust ziemlich breit.
Untere Profillinie und Bauch
Die ziemlich ausgefüllte Bauchpartie ist etwas aufgezogen.

Rute

Die überwiegende Mehrheit der Tiere hat eine kurze Rute, viele werden rutenlos geboren. Die Rute ist dick und hoch angesetzt.
Kurze Rute : Sie verlängert die Oberlinie.
In den Ländern, in welchen das Kupieren der Rute gesetzlich verboten ist, ist eine lange Rute zulässig.

Gliedmassen

Vorderhand

Allgemeines
Mächtige Knochenstruktur. Die stark bemuskelten Vordergliedmassen sind von allen Seiten gesehen senkrecht und von vorn gesehen parallel.
Schultern
Mittelmässig lang und schräg, dick bemuskelt. Mit dem Oberarm bildet das Schulterblatt einen Winkel von nahezu 110 °.
Oberarm
Lang, sehr stark bemuskelt.
Ellenbogen
Fest, weder abstehend noch zu eng anliegend.
Unterarm
Gerade, kräftig.
Vorderfusswurzelgelenk
Fest, klar umrissen, bodennah.
Vordermittelfuss
Stark, kurz, sehr wenig schräg stehend.
Vorderpfoten
Rund, mit einaneinanderliegenden, gewölbten Zehen ; Ballen dunkel, dick und elastisch, Krallen gross und kräftig.

Hinterhand

Allgemeines
Mächtig, muskulös, normal gewinkelt, von hinten gesehen parallel. Von der Seite gesehen soll sich der Fuss im Stand knapp hinter einer vom Sitzbeinhöcker ausgehenden Vertikalen befinden.
Oberschenkel
Sehr stark und dick bemuskelt.
Unterschenkel
Mässig lang, gut bemuskelt,
Hintermittelfuss
Von der Seite gesehen wenig schräg. Ohne Afterkrallen.
Sprunggelenk
Bodennah, breit, sehnig.
Hinterpfoten
Wie die Vorderpfoten.

Gangwerk

Die Gliedmassen bewegen sich parallel zur Längsachse des Körpers, ohne zu schränken. Der schnelle, freie Schritt und der zügige Trab sind die gebräuchlichen Gangarten. Der Ardennen -Treibhund ist kein ausgesprochener Galopper, aber er ist fähig, in jeder Gangart und Geschwindigkeit in vollem Schwung einen plötzlichen Richtungswechsel vorzunehmen. Der Trab ist raumgreifend, die Bewegung gleichmässig, mit ausgezeichnetem Schub aus der Hinterhand, wobei die Oberlinie straff und fest bleibt. Passgang ist unerwünscht. Wegen seines Bewegungsdrangs bleibt der Ardennen-Treibhund selten an einem Platz. Ohne Leine führt sein Instinkt, Herden zu treiben, dazu, dass er oft hinter seinem Herrn zurückbleibt und ihm halbkreisförmig hin- und herlaufend folgt.

Haut

Straff, ohne Falten, dennoch geschmeidig. Die Ränder der Augenlider und der Lippen sind immer stark pigmentiert.

Coat

Haar
Das Haarkleid muß so beschaffen sein, dass der Hund im Freien leben und trotz der manchmal extremen Wetterbedingungen seiner Heimat die Herden bewachen und treiben kann. Das Deckhaar soll trocken, rauh und zerzaust und am ganzen Körper ungefähr 6cm lang sein ; auf dem Schädel ist das Haar jedoch außer an den Augenbrauen kürzer und liegt flacher an. Das Haar soll einen ca. 5-6 cm langen Schnurr- und Kinnbart bilden und den inneren Augenwinkel verbergen. Die Unterarme zeigen ein kürzeres, aber trockenes, leicht struppiges Haar, das ihnen zusammen mit den kurzen Fransen an ihrer Rückseite ein zylindrisches Aussehen verleiht. Das Haar an der Rückseite der Oberschenkel ist länger und bildet sogenannte « Hosen ». Auf den Aussenflächen der Ohren ist das Haar kurz, weich und glatt, mit einzelnen längeren Haaren vermischt. Der Gehörgang ist durch langes Haar geschützt, das nahtlos in die Halskrause übergeht, die durch nach hinten wachsende Haare gebildet wird. Die Zwischenräume zwischen den Ballen sind mit sehr kurzem Haar versehen.
Die in jeder Jahreszeit sehr dichte Unterwolle ist im Winter noch reichlicher und schützt den Hund vorzüglich gegen die Unbilden des Wetters. Sie findet sich auch an den Gliedmaßen und ist ungefähr halb so lang wie das Deckhaar.
Farbe
Alle Farben sind zulässig ausser Weiss ; die Farbe der Unterwolle ist verschieden entsprechend der Farbe des Deckhaars. Ein weisses Abzeichen auf der Vorbrust oder weisse Zehenspitzen sind zulässig, aber nicht erwünscht. Das Haarkleid besteht oft aus einer Mischung von grauen, schwarzen und falbfarbenen Haaren ; die graue Farbe reicht von Hellgrau bis Dunkelgrau ; braunes , rostrotes oder strohgelbes Haarkleid.

Grösse und gewicht

Widerristhöhe
Für Rüden 56 bis 62 cm, für Hündinnen 52 bis 56 cm, Toleranz : +/- 1 cm..
Gewicht
Für Rüden von 28 bis 35 kg, für Hündinnen von 22 bis 28 kg.

Fehler

• Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes zu beachten ist, und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen.
• Fehler sollten nach Grad der Schwere aufgenommen werden.

Allgemeine Fehler

 Allgemeines Erscheinungsbild Zu schwer, zu elegant, zu hochläufig.
 Kopf Schlechte Proportionen, Kopflinien nicht parallel, Schädel zu stark gerundet, Fang zu leicht, Haarbewuchs übertrieben oder zu wenig entwickelt, Nasenrücken nicht gerade, Stop zu stark oder zu wenig ausgeprägt.
 Zähne Unregelmäßig angeordnete Schneidezähne, Fehlen eines Schneidezahns (1 I), eines Prämolaren 2 (1 PM2 ) oder eines Prämolaren 3 ( 1 PM3 ).
 Augen Hell, rund, kugelförmig, tief liegend.
 Ohren An der Basis zu breit, tief angesetzt, Spitze abgerundet ; Stehohren auseinander oder zueinander geneigt.
 Hals Dünn, lang, tief zwischen den Schultern aufgesetzt.
 Rücken und/oder Lenden lang oder schmal, schwach, eingesenkt oder gewölbt.
 Brust Zu wenig tief reichend, unterer Bereich ohne Rundung von einer Seite zur anderen, Vorbrust zu schmal.
 Rute Zu tief angesetzt, zu hoch getragen, zwischen die Hinterläufe geklemmt, Hakenrute oder seitlich abweichende Rute.
 Gangwerk Bewegung eng, zu wenig Schub ; Schrittweite zu kurz, Vorderläufe zu stark angehoben.
 Haar Zu wenig rauh, flach anliegend, Zierhaare am Kopf zu kurz oder zu reichlich, zu langes Haar auf dem Schädel, Gliedmassen zu stark oder zu wenig befedert.
 Lange Rute mit Fransen.
 Unterwolle nicht dicht genug, zu kurz, zu lang.
 Zu viel Weiss an Brust und Zehen.
 Scheuheit, Trägheit.

Disqualifizierende fehler

 Aggressivität oder Ängstlichkeit.
 Mangel an Typ.
 Nasenschwamm, Lippen, Augenlider Depigmentiert.
 Zähne Rück- oder Vorbiss, auch ohne Kontaktverlust (umgekehrte Schere).
 Kreuzbiss.
 Fehlen eines Prämolaren 4 (1 PM4) oben oder eines Molaren 1 ( 1 M1 ) unten, eines Molaren 1 oder 2 (1 M1 oder 1 M2) ohne Berücksichtigung der M3, eines Prämolaren 3 (1 PM 3) zusätzlich zu einem anderen Zahn oder Fehlen von insgesamt drei oder mehr Zähnen.
Gelbe Augen, Birkaugen, verstörter Blick.
 Kupierte Ohren, flach an den Backen anliegende Ohren.
 Aufgrichtete Peitschenrute, Ringelrute.
 Jede Art von Trimmen ; Langes oder ganz kurzes Haar, schlicht oder gelockt, wollig oder seidig ; Fehlen von Zierhaar am Kopf oder Zierhaar zu reichlich entwickelt, das ganze Auge bedeckend und die Form des Kopfes verschleiernd, Fehlen der Unterwolle.
 Weisses Haarkleid oder Weiss anderswo als an der Vorbrust und an den Zehen.
 Grösse Ausserhalb der zulässigen Grenzen.

NB :

• Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.
• Die in starker Ausprägung oder gehäuft vorkommenden oben angeführten Fehler sind ausschließend.
• Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.
• Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden.

Bibliografie

http://www.fci.be/

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